Eine kleine „Mittelflucht“ ins Elsass mit dem Baguette-Express. Meine Route: Hinsbourg – Abreschviller – Hemm.
Freitag: Später Start, weite Wege
Eigentlich wollte ich schon früher los aber es wurde dann doch kurz nach 14:00 Uhr bis ich endlich auf dem Saarradweg Richtung Frankreich rollte. Da die Zeit drängte wählte ich die direkte Route nach Hinsbourg.
Das Wetter? Geradezu kaiserlich! Strahlender Sonnenschein bei 20–21 Grad, aber dafür sollten die Nächte mit vorhergesagten 5 Grad ordentlich frisch werden.
Die ersten Kilometer liefen super, sodass in Diemeringen noch Zeit für einen Stopp im Supermarkt blieb. Da es in Hinsbourg außer bei einem Bäcker in Tiefenthal kaum Einkaufsmöglichkeiten gibt deckte ich mich dort mit Obst, Gemüse und Proviant für den nächsten Tag ein. Den Rest der Strecke verbrachte ich also mit umgeschnallter 5-Liter-Musette und einem Baguette oben auf dem Packsack – das sah bestimmt lustig aus, es klappte aber problemlos.

Gegen 18:30 Uhr kam ich auf dem kleinen Campingplatz an. Die Anmeldung war zu meiner Überraschung noch besetzt (sogar bis 20:00 Uhr). Der Platz war herrlich leer – April und Freitag eben. Im Sommer ist hier wohl deutlich mehr los. Danach das übliche Programm: Aufbauen, kochen, essen, eine kurze „Wasserstandsmeldung“ nach Hause und dann ab in die Vorbereitung auf die kalte Nacht.
Da ich meinen Schlafsack (Komfortbereich bis 5 Grad) noch nie so richtig getestet hatte legte ich mir sicherheitshalber alles was ich dabei hatte an Kleidung bereit. Und die Reserveklamotten kamen zum Vorwärmen direkt mit in den Schlafsack. Gute Nacht!
Samstag: Trails und kalte Nasenspitzen
Am frühen Morgen im Sack hieß es dann: Schichten nachlegen. Lange Hose & langes Trikot – und das war auch bitter nötig. Ich habe die „Mumie“ zum ersten Mal komplett zugezogen und konnte so bis 8:00 Uhr durchschlafen. Die Nasenspitze war zwar eisig, aber der Rest blieb warm. Mein Nachbar erzählte mir dann beim Frühstück, dass sein Thermometer 2 Grad anzeigte. Als bekennendes Weichei bin ich erst mal bis um 9:00 Uhr liegen geblieben bis die Sonne genug Kraft hatte, um damit den ersten Kaffee des Tages zu genießen.
Gegen Mittag war dann alles gepackt und die Route nach Abreschviller stand fest. Bei inzwischen 19 Grad ging es erst mal rasant ins Tal und direkt danach wieder steil bergauf. Der erste Trail der Tour war fantastisch – so einer, der gefühlt endlos bis ganz nach unten ins nächste Tal führt. Um das Ganze zu krönen gab es dann noch einen S1-Trail gleich hinterher.
Über die D158 und Pfalzweyer machte ich einen Abstecher nach Phalsbourg zu einem kleinen neuen Supermarkt. Die Auswahl an der Frischetheke war so gut, dass ich mich für „kalte Küche“ entschied: guter Käse, eine Salami und – natürlich – ein frisches Baguette für den Express. Schließlich rollt es auf französischem Boden, da gehört das einfach dazu.
Mit vollem Musette-Beutel ging es auf die letzten 25 km nach Abreschviller. Über das Brunnenthal zum Canal de la Marne au Rhin, vorbei an Lutzelbourg und Arzviller gleite ich schließlich über die Hügel des Brandweinthals nach Abreschviller hinein.

Kurz nach 17:00 Uhr: Endlich angekommen! Die Anmeldung unkompliziert und der Zeltaufbau ging heute schon flotter als gestern, und zur Belohnung gab es danach eine heiße Dusche. Den Abend verbrachte ich in der Abendsonne mit meinem Festmahl. Das Baguette hatte den Transport unbeschadet überstanden und schmeckte mit dem gut 12 Monate alten Bergkäse und der Pfeffersalami einfach hervorragend.
Sonntag: Weckruf durch Motorenlärm
In der zweiten Nacht kroch ich dann direkt im Zwiebellook in den Schlafsack. Anfanges war es etwas zu warm aber gegen Morgen zog es am Wasser wieder ordentlich an – erneut 2 Grad. Trotz kalter Nase habe ich auch diese Nacht ohne Frostbeulen überstanden.
Geweckt wurde ich kurz vor Acht von lauten Motoren. Richtig, Bergrennen! Ich hatte mir genau das passende Wochenende ausgesucht... einen Wecker brauchte ich so jedenfalls nicht.
Nach dem Frühstück in der Einsamkeit (alle Anderen auf dem Platz schienen noch im Zelt zu liegen) war mein mobiles faltbares Heim gegen 10:00 Uhr wieder trocken und verpackt. Noch schnell Wasser auffüllen und ab auf die Heimreise. Ab Kerprich-aux-Bois führt der Weg fast nur noch am Canal des Houillères de la Sarre entlang.

Das erste Stück bis zum Kanal kannte ich noch gar nicht – landschaftlich eine echte Augenweide und super zu fahren. Ab dem Stockweiher folgte ich dem Kanal bis hinter Saaralbe und bog dann Richtung Hambach ab. Der neue Radweg dort ist zwar noch nicht ganz fertig aber schon gut befahrbar und eine schöne Abwechslung bevor es danach über Saargemünd immer an der Saar entlang zurück nach Hause ging.
Fertig, glücklich und k.o. – ein perfektes Wochenende mit Zelt und Rad!